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Seit wann am Anglistischen Seminar in Heidelberg Theater gespielt wird, kann keiner wirklich genau sagen. Gerüchten zufolge wurde die Schauspielgruppe bereits in den 30er Jahren gegründet, geriet während des Zweiten Weltkrieges in Vergessenheit und wurde Mitte der 50er Jahre wiederbelebt. Wirklich belegt sind Aufführungen erst seit 1964. Fest steht jedoch, dass sich die "Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars" – denn dies ist ihr langer, aber einzig richtiger Name – nicht nur zu den ältesten studentischen Theatergruppen Deutschlands zählen darf, sondern derzeit auch die letzte aktive Theater-Vereinigung der Universität Heidelberg ist, die sich an ein Institut bindet. Und wie aktiv Theater gemacht wird, das zeigt ein Überblick über die vergangenen Jahre: Seit 1997 brachten die Studenten der Anglistik insgesamt 12 Stücke auf die Bühne des Romanischen Kellers. Allein im Jahr 2002 wurden fünf Produktionen angeboten, welche die gesamte Theaterpalette von der Renaissance-Tragödie bis hin zum modernen Musical abdeckten und dem begeisterten Publikum eine breite Vielfalt nahe brachten. Höhepunkt war dabei sicherlich das Shakespeare-Festival im Sommer 2002, das neben den Inszenierungen zweier Shakespeare-Tragödien auch mit Vorträgen, Workshops und Improtheater lockte.
Überblick 2002 The American Express – A Musical Run Through American History and Culture. Closer von Patrick Marber. Bloodbrothers. Musical von Willy Russell.
Shakespeare. Live. 26. Juni – 21. Juli 2002 Romeo and Juliet. Macbeth.
Überblick 2003 Popcorn von Ben Elton. Into The Woods. Musical von Stephen Sondheim und James Lapine.
Diese Mannigfaltigkeit ist nur möglich dank des unermüdlichen Einsatzes vieler engagierter Studierender. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre ist das Interesse an der Theaterarbeit so kontinuierlich gewachsen, dass sich inzwischen ein großer Stab an studentischen Organisatoren, Schauspielern und Regisseuren zusammengefunden hat, die ihre Erfahrungen austauschen und weitergeben und sich immer wieder neu für verschiedene Projekte formieren. Da es an sich keine festgelegten Regeln und Positionen innerhalb der Schauspielgruppe gibt – mit der einen Ausnahme, dass die Stücke in englischer Sprache aufgeführt werden müssen –, bewahrt sich die Theatergruppe ihre Offenheit für neue Projekte und Ideen und kann deshalb auf diese bunte Geschichte blicken. Und auch die Zukunft der Truppe ist gesichert. Neben dem Spaß an der Theaterarbeit ist eines der wichtigsten Ziele der Schauspielgruppe, auf eine eher unkonventionelle Art Englisch zu lernen, zu lehren und zu praktizieren. Nicht nur die Sprache wird dabei vermittelt, sondern auch britische, bzw. amerikanische Literatur, da Theaterspielen immer eine intensive Auseinandersetzung mit dem ausgewählten Stück bedeutet. Auch der interkulturelle Kontakt und Austausch wird gefördert, da sich die Gruppe in der Regel aus einer internationalen Cast zusammensetzt. So spielen Deutsche, Amerikaner, Engländer, Kanadier, Franzosen und Luxemburger auf ein und derselben Bühne und geben Shakespeares "All the world's a stage" eine ganz neue Bedeutung. Die Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars ist Mitglied im Bund Deutscher Amateurtheater e.V. und vertreten in der Theater- und Musikinitiative e.V. Schirmherr ist Prof. Dr. Rudolf Sühnel.
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